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So schön der Alentejo ist, so trocken ist er im August. Also ruck zuck ins Auto und nach rund 30 km in Andalusien in der Nähe von El Granado aussteigen. Warum? Weil es dort neben praller Sonne auch frisches Wasser in glucksenden Bächen die Berge hinunter fließend gibt – sehr idyllisch, so eine künstliche Bewässerung. Ungeachtet der Betrachtung gerechter Wasserverteilung und den ökologischen Folgen solch einer Wassernutzung findet sich hier ein traumhafter Bach umrahmt von riesigen, blühenden Oleanderhecken mit den schönsten Libellen der ganzen Region. Als da beispielsweise wären: eine Unterart der Kleinen Zangenlibelle Onychogomphus forcipatus, die hellblaue statt grüne Augen hat und Westliche Zangenlibelle Onychogomphus forcipatus unguiculatus heißt. Die zahlreichen Kleinen Blaupfeile Orthetrum coerulescens unterscheiden sich durch ihre ausnahmslos durchgehende aber blasse Blaufärbung von den aus Mitteleuropa bekannten Tieren. Diese Färbung erreichen einzelne Kleine Blaupfeile bei uns nur wenn ihre Flugzeit mit einer langen, heißen Schönwetterphase zusammen trifft. Neben einem einzigen Exemplar der Zarten Rubinjungfer Ceriagrion tenellum innerhalb von zwei Wochen dürfen die zahlreichen Kupferfarbenen Prachtlibellen Calopteryx haemorrhoidalis nicht unerwähnt bleiben.

Westliche Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus unguiculatus) m (ch)

Kupferfarbene Prachtlibelle (Calopteryx haemorrhoidalis) Weibchen unterschiedlichen Alters (ch)

Kupferfarbene Prachtlibelle (Calopteryx haemorrhoidalis) m (ch)

Morgens während eines der Spanien-Ausflüge überraschten mich zwei Geier – wahrhaft beeindruckende Tiere. Dass es sich hierbei um je einen Gänse- und einen Mönchsgeier handelte, machte meine Freude umso größer.

Gänsegeier (Gyps fulvus) (ch)

Mönchsgeier (Aegypius monachus) (ch)

Außer an dem genannten Bach konnte ich es nicht lassen an verschiedenen Viehtränken nach Libellen zu suchen. Die gefundenen Arten sind die in der gesamten Region häufigen und darum der Besuch der Viehtränken eigentlich nicht weiter erwähnenswert, wenn der Beobachter nicht plötzlich selbst zum Beobachteten geworden wäre. Eine kleine braune Segellibelle hielt mich für ein Stück Vieh und folgte mir über eine Strecke von mehr als 20 Metern entlang des Ufers. Auf dem Weg zurück wiederholte sich das Geschehen. Es handelte sich um den Nördlichen Treuen Kurzpfeil Brachythemis impartita. Seit neuestem werden die Tiere, die Europa besiedeln, B. impartita genannt, während die Afrika bewohnenden Tiere weiterhin Treuer Kurzpfeil B. leucosticta heißen. Die Namensgeschichte der Tiere ist nicht wirklich interessant, aber die Tatsache, dass sie sich etwa einen halben Meter vor den Betrachter am Boden niederlassen und dabei die vermeintliche „Kuh“ genauestens beobachten um auf jede ihrer Schritte rechtzeitig reagieren zu können, ist spannend und zeigt eine spezielle Anpassungsleistung an ihren Lebensraum. Dieses Verhalten konnte ich über mehrere Stunden an zwei Tagen mit bis zu drei Individuen beobachten. Beim Vieh sind Fliegen und weitere Insekten;, so finden diese Libellen reichlich Nahrung, einerseits durch angelockte andererseits durch aufgescheuchte Insekten. Ähnliche Beobachtungen sind bekannter bei Staren und Kuhreihern, welche diesen Reihern auch zu ihrem Namen verhalfen. Da ich am Urlaubsort keine deutschsprachige Odonatenliteratur zur Verfügung hatte, gab ich den hübschen kleinen Kobolden den Arbeitstitel Viehlibelle. Alle mich beobachtenden Tiere waren wahrscheinlich erst vor kurzem geschlüpft – klare Zeichnung, keinerlei Grauschleier oder Risse in den Flügeln, lediglich eine leichte Schlupfdeformation an einer Flügelspitze war bei einem Exemplar festzustellen. Ihre hervorragende Tarnung ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur beim Nahrungserwerb hilfreich, sondern dient auch als Schutz vor Fressfeinden. Sobald sie fliegen, sind sie für das menschliche Auge nicht mehr erfassbar.

Zwei Weibchen des Nördlichen Treuen Kurzpfeils (Brachythemis impartita) haben ihr 'Vieh' fest im Blick (ch)

Nördlicher Treuer Kurzpfeil (Brachythemis impartita) w (ch)

Untypischerweise endet dieser Bericht mit einem Vogel. Wer kann mit Hilfe der folgenden Bilder, diesen mir unbekannten Reiher, der sich einer der besuchten Viehtränken aufhielt, identifizieren? Eine höhere Bildauflösung steht leider nicht zur Verfügung. Die bereits an anderer Stelle geäußerte Vermutung, es handele sich um einen Purpurreiher, stelle ich im Moment in Zweifel, da der Vogel 'riesengroß' war. Er war so groß, dass ich garnicht an einen Reiher dachte, bis das auffliegende Tier den Hals einzog (ch).

Fraglicher Reiher – wer kennt ihn?

Ein weiteres Bild des fraglichen Reihers (ch)

Letztes Bild des fraglichen Reihers (ch)

…gibt es viele Nebenflüsse und einige Tümpel und Viehtränken mit vielen Libellen.

Da ist zum einen der Riberia do Vascão, der auch im 'Dijkstra' lobend erwähnt wird. Leider ist er im August ausgetrocknet oder maximal als Kette von Resttümpeln erhalten. Hier gibt es ausser den zuvor erwähnten Arten die Große Königslibelle Anax imperator, den Rahmstreif-Blaupfeil Orthetrum chrysostigma, den Großen Blaupfeil Orthetrum cancellatum und das Kleine Granatauge Erythromma viridulum. Chanchitos Australoheros facetus und Östliche Moskitofische Gambusia holbrooki sind aber ebenso spannend wie Libellen zu beobachten (nur schwerer zu fotografieren).

Östliche Moskitofische (Gambusia holbrooki) (ch)

Chanchitos (Australoheros facetus) (ch)

Die verschiedenen stehenden Gewässer in der Umgebung sind zur Zeit ergiebiger. Große und pfeilschnelle Lange Blaupfeile Orthetrum trinacria sind zwar beeindruckende Erscheinungen, aber sie müssen in der Mittagshitze den Violetten Sonnenzeigern, Rahmstreif-Blaupfeilen und Feuerlibellen die heftig umkämpften Sitzwarten abtreten. Und zwischen all diesem Getümmel zischen noch einige kleine, schwarze Teufelchen Diplacodes lefebvrii, die sich ebenfalls behaupten wollen.

Langer Blaupfeil (Orthetrum trinacria) m (ch)

Teufelchen (Diplacodes lefebvrii) m (ch)

Ein wahres Highlight bot sich jedoch am Riberia Oeiras: die kleine, mit bizarren Hinterleibsanhängen ausgestattete Gomphide Paragomphus genei, die auf deutsch mal Zwerg-Flussjungfer, mal Afrikanische Sandjungfer heißt, macht es dem Beobachter wirklich schwer. Über bzw. auf dem grauem Kies am Ufer ist diese Libelle nicht mehr auszumachen. Ihre Farbe und Musterung lassen sie mit dem Untergrund verschmelzen und bieten ihr eine nahezu perfekte Tarnung (ch).

 Zwerg-Flussjungfer (Paragomphus genei) schwer zu erkennen (ch)

Zwerg-Flussjungfer (Paragomphus genei) m (ch)

… ist zur Zeit zirka 40°C warm und etwas trocken. Schicke Libellen gibt es aber auch bei wenig Wasser. Am Rio Guadiana habe ich bis jetzt folgende Kleinlibellen gefunden: die Iberische Pechlibelle Ischnura graellsii, die Pokaljungfer Erythromma lindenii, die Gemeine Weidenjungfer Leses viridis und die Weiße Federlibelle Platycnemis latipes. Die Unterscheidung zwischen der Großen Pechlibelle Ischnura elegans und der Iberischen Pechlibelle geschieht laut Bestimmungsbuch über den nicht vorhandenen Sporn am Hinterhalsschild oder man fährt in eine Gegend in der sich die Verbreitungsgebiete der beiden Arten nicht überlappen.

Weiße Federlibelle (Platycnemis latipes) Kopula (ch)

Iberische Pechlibelle (Ischnura graellsii) m (ch)

Folgende Großlibellen konnte ich bis jetzt an diesem Fluss beobachten: die Kleine Königslibelle Anax parthenope, die Frühe Heidelibelle Sympetrum fonscolombii, die Feuerlibelle Crocothemis erytraea und den Violetten Sonnenzeiger Trithemis annulata.

 Violetter Sonnenzeiger (Tritemis annulata) m (ch)

Mehr zu sehen gibt es an den Nebenflüssen und umgebenden Teichen und Viehtränken – dazu später mehr (ch).

… Arzt. Nein, so war es nicht, aber das Angebot für einen Tag mit in den Harz zu fahren habe ich nicht ausschlagen können. Ursächlich verantwortlich für diese Tour waren die beiden „A“-Smaragdlibellen. Um diese zu finden, nahmen mich Ralf und Patrick mit zu einem Hochmoor-Plateau auf rund 800 Meter Höhe. Bereits auf dem Weg gab es eine freundliche Begrüßung durch den (für einen Flachland-Städter) ersten Exoten: Weißbindiger Moorenfalter Erebia ligea

Weißbindiger Moorenfalter (Erebia ligea) (ch)

Dann, auf einer kleinen Lichtung im Wald, patrouillierte die erste der beiden Gesuchten über einer – nennen wir es mal – großen moorigen Pfütze. Mit viel, viel Glück gelang die für mich beste Aufnahme des Tages, nein, bis jetzt des Jahres: ein Männchen der Alpen-Smaragdlibelle Somatochlora alpestris im Flug bei Gegenlicht mit Lichtreflexen. Und wenn mir dieses Jahr kein gutes Foto mehr gelingen sollte, diese Libelle wird eine mehr als ausreichende Entschädigung sein.

 Lichtung im Wald mit Kleingewässer (ch)

Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) m (ch)

Aber bald darauf erreichten wir das Plateau und es war schlicht atemberaubend. Der Kontrast zwischen dem strahlendem Sonnenschein und der natürlichen Morbidität, die ein Hochmoor typischerweise durch seine absterbenden Bäume ausstrahlt, war grandios. Der scheinbar feste Boden schwingt mal mehr mal weniger und einzelne Moorlöcher mit nicht absehbarer Tiefe flößen Respekt ein.

Hochmoor-Plateau (ch)

Typische Moorschlenke (ch)

Exuvien fanden wir an größeren als auch sehr kleinen Schlenken. Die folgende Aufnahme entstand an einer zwischenzeitlich trockengefallenen Schlenke mit einem Durchmesser von etwa 40cm.

Exuvie der Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) (ch)

Die Arktische Smaragdlibelle Somatochlora arctica zeigte sich bei der Eiablage an einem größeren Graben.

Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) Eiablage (ch)

Am gegen Mittag besuchten Moorkolk fanden sich an erwähnenswerten Arten neben der Torf-Mosaikjungfer Aeshna juncea und der Hochmoor-Mosaikjungfer A. subarctica auch die Libelle des Jahres 2013, die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum.

Moorkolk (ch)

Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) m (ch)

Auf dem Rückweg wurden wir von einer ganzen Schar Schmetterlinge verabschiedet. Den Hochmoor-Perlmutterfalter Boloria aquilonaris hatten wir bereits in einzelnen Exemplaren über den Tag verteilt gesehen, aber im Dutzend wirken sie doch ganz anders (ch).

Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) (ch)

(22.06.2013 FE) In der vergangenen Woche sind Christian und Frederik der Einladung des Kindergarten Regenbogen in Düsseldorf-Wersten gefolgt. Die Erzieherinnen haben bereits mehrere Naturthemen mit den Kindern erarbeitet und waren unter anderem auch mit der Gruppe auf Ausflug in den Aqua-Zoo.

Das Thema Libellen ist für die Kinder besonders gut erlebbar, da der Kindergarten über ein kleines Feuchtbiotop verfügt, an dem regelmäßig Libellen zu beobachten sind. So war es möglich, eine Frühe Adonislibelle zu fangen (danke an die Untere Landschaftsbehörde für die kurzfristige Genehmigung hierfür!) und den Kindern einige anatomische Eigenschaften näherzubringen. Fotos eines Schlupfes bzw. einer Imaginalhäutung und verschiedener Großlibellen verdeutlichten die besondere Metamorphose der Libellen und ihre Farb- und Formvielfalt. Alles in allem ein sehr gelungener Vormittag, bei dem die Kinder etwas gelernt haben und die Erwachsenen sicherlich auch etwas von dem Blick erfahren haben, den Kinder auf die sie umgebende Tierwelt haben.